Die Katastrophe geschah aus dem Nichts. Einfach so. Datum: 30 Juni 1908. Tatort: Zentralsibierien. Niemand hatte etwas vermutet, niemand sah es kommen. Doch gegen 07:15 Uhr Ortszeit passierte das Unglaubliche: Eine bis heute ungeklärte Explosion erschütterte das Gebiet. Mit einer Stärke von etwa 15 Megatonnen TNT wurden 6000 Quadratkilometer Kiefernwald einfach niedergelegt. Dies entspricht etwa der 1150-fachen Sprengkraft der Atombombe „Little Boy“, welche die Amerikaner 1945 über Hiroshima abgeworfen haben. Manche Schätzungen gehen sogar von bis zu 50 Megatonnen TNT aus.

So lief die Katastrophe ab:

Viele Augenzeugen sprechen von einer Explosion, die sich am 30. Juni 1908 in Sibirien in der Nähe des Flusses Steinige Tunguska (Podkamennaja Tunguska) im Siedlungsgebiet der Ewenken ereignete. Einige sprechen sogar von mehreren Erschütterungen. Bei dem Ereignis wurden nicht nur die Bäume im Umkreis von bis zu 30 Kilometern entwurzelt, sondern auch Fenster und Türen in der 65 Kilometer entfernten Handelssiedlung Wanawara eingedrückt. Noch in über 500 km Entfernung, unter anderem von Reisenden der Transsibirischen Eisenbahn, wurden ein heller Feuerschein, eine starke Erschütterung mit einer Druckwelle sowie Donnergeräusche wahrgenommen. Erst im Jahr 1927 wurde das Gebiet von einer Expedition unter Professor Leonid Alexejewitsch Kulik untersucht. Dieser veranlasste 1938 auch Luftbildaufnahmen der Region. Ob bei dem Ereignis Menschen ums Leben kamen, ist nicht genau dokumentiert.

Doch was geschah damals wirklich?

Bis heute konnten Forscher nur Schätzungen abgeben, was in Zentralsibierien damals passierte. Es kursieren zu dem sehr viele, bis heute noch nicht bewiesene Theorien im Internet.

Theorie eins: Einschlagstheorie

Als wahrscheinlichste Ursache gilt der Absturz eines Kometen (vorgeschlagen 1930 von Harlow Shapley) oder eines Eisenasteroiden (Leonid A. Kulik, 1939). Es könnte sich jedoch auch um einen Steinasteroiden geringer Dichte (Fesenkov, 1949) gehandelt haben, der etwa fünf bis 14 Kilometer über dem Boden explodierte und wegen der geringen Dichte keinen Krater verursachte. Nach den theoretischen Abschätzungen der möglichen Bahnen des Tunguska-Boliden von Farinella ist ein Steinasteroid am wahrscheinlichsten, obwohl auch hier ein Komet nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Bis heute wurden auch keine makroskopischen Bruchstücke eines Impaktors gefunden. Eine kleinere Vertiefung wurde vom Forscher Kulik als Krater gedeutet, was sich allerdings nicht bestätigt hat. Auch die Suche nach mikroskopischen, staubförmigen Überbleibseln des Impaktors oder chemischen sowie isotopischen Anomalien, die beim Eintritt außerirdischen Materials zu erwarten sind, ist bisher nicht schlüssig.

Theorie zwei: vulkanähnlicher Ausbruch

Als Alternative Theorie vertritt der russische Wissenschaftler Andrei Olchowatow bereits seit Ende der 1980er Jahre eine rein geophysikalische Deutung des Tunguska-Ereignisses. Der gleichen Meinung ist auch der deutsche Astrophysiker Wolfgang Kundt, der die These vertritt, dass es sich um einen vulkanähnlichen Ausbruch gehandelt habe (Explosion von 10 Millionen Tonnen Erdgas).

Andere Theorien

Zu den außergewöhnlichsten Erklärungsversuchen gehören eine natürliche Nuklearexplosion (zum Beispiel durch einen uranhaltigen Asteroiden), ein kleines Schwarzes Loch, der Absturz eines außerirdischen Raumschiffes, die Explosion eines Mückenschwarms,  ein Experiment von Nikola Teslas, der Energie-Transmitter testete, die starke elektromagnetische Energie über weite Distanzen übertragen, oder die Zündung der ersten Atombombe durch Pierre Curie wie in einer Kurzgeschichte, die Stuart Savory im Jahr 1984 veröffentlichte (Quelle: http://www.science-explorer.de/tunguska.htm, http://www.geschichtsmaengel.de/Berichtsseite/sonstiges/Tunguska/body_tunguska.html).

Die Ursache des so genannte „Tunguska-Ereignis“ ist bis heute im Dunkeln verborgen. Auch wenn sich 1930 im Amazonas und 1960 in Nordamerika ähnliche, aber viel schwächere Explosionen ereignet haben, bleibt Tunguska eines der weiter ungeklärten und mysteriösesten Phänomene unseres Planeten.

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