Vor mehr als sieben Jahrzehnten, im Jahr 1936 (die genaue Datierung ist nicht bekannt – einige Quellen weisen das Jahr 1934 auf), wanderte das Ehepaar Max und Emma Hahn entlang des Flusses Red Creek in Texas. Am Ufer, nahe eines Wasserfalls,  wurden sie auf einen Holzstiel aufmerksam, der aus einem Stein herausragte. Sie wunderten sich und nahmen das Objekt mit ins eigene Haus nach London (Texas), wo es schnell in Vergessenheit geriet. Erst knapp zehn Jahre später entdeckte ihr Sohn George den Stein wieder und begann, den herausragenden Stiel freizulegen. Im inneren des Steins sollte sich ein Artefakt befinden, das inzwischen als der „Hammer von Texas“, das „London-Artefakt“ oder der „Hammer von London“ bekannt ist. Um dieses Objekt, das im Creation Evidence Museum in Glen Rose (Texas) ausgestellt ist, ragen sich heute viele Mythen und Legenden.

Foto: Red Creek (Texas)

Als George Hahn im Jahr 1946 Schicht für Schicht um den Holzstiel abtrug, wurden seine kühnsten Vorstellungen übertroffen: Er blickte auf einen Hammer, der in seinen Augen etwas ganz Besonderes sein musste. Und er sollte damit Recht behalten. Genauere Untersuchungen ergaben, dass der Kopf des Hammers circa 15 Zentimeter lang ist und einen Durchmesser von drei Zentimetern aufweist. Der hölzerne Stil ist teilweise verkohlt und anscheinend an seinem unteren Ende abgesägt worden. Der Stil geht durch den Hammerkopf, welcher nur wenige Oxidationsspuren aufweist. Das Metall war zur Zeit der Entdeckung sehr glatt, ist aber inzwischen rau und verrostet und mit einer bräunlichen, fossilen Beschichtung behaftet. Weil das Objekt komplett von Gestein umschlossen war, gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Fund mindestens genauso alt sein muss, wie das ihn umschließende Gestein. Laut Carl Baugh, Leiter des Creation Evidence Museum in Glen Rose, befand sich der Hammer in einer kreidezeitlichen Gesteinsschicht aus Kalkstein. Geologen schätzten das Alter des Hammers daher auf mindestens 140 Millionen Jahre! Dass jedoch wäre eine Sensation: Denn laut der heutigen Kenntnisse ist es den Menschen erst seit circa 5.500 v. Chr. möglich, Hämmer mit einem Metallkopf herzustellen. Könnte dieser Fund also beweisen, dass Menschen bereits vor 140 Millionen Jahren, lange vor den Affen, existiert haben?

Foto: Hammer von Texas

1989 wurde das Metall des Hammers vom Metallurgischen Institut Batelle Memorial Laboratory (Ohio) mit einem Elektronenmikroskop untersucht. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die chemische Zusammensetzung des Hammerkopfes aus 96,6 Prozent Eisen, 2,6 Prozent Chlor und 0,74 Prozent Schwefel besteht. Das bedeutet, dass der Hammerkopf aus fast reinem Eisen besteht, ohne weitere Beimengungen oder Verunreinigungen. Zudem ergaben Röntgenaufnahmen, dass der Stahl des Hammerkopfes keine Blasen oder Unregelmäßigkeiten aufweist und auf eine besondere Art und Weise vergütet sowie gehärtet worden sein muss. Diese Herstellung ist jedoch nur mit einer hoch entwickelten Technologie möglich. Damit ergibt sich eine weitere Ungereimtheit, die die Beantwortung des Rätsels noch viel komplizierter macht.

Foto: Röntgenaufnahme des Artefakts

Um die Frage nach dem Alter des Artefaktes beantworten zu können, muss zuerst geklärt werden, wie lange Gestein braucht, um sich um ein Objekt dieser Form zu bilden. Der Hammer ist von Kalkstein umschlossen. Dieses ist – wie aus den Tropfsteinhöhlen bekannt – durch Selbstaufbau, also Wachstum, in der Lage Gegenstände zu umschließen. Auch im Meer gibt es Beispiele für schnellen Gesteinsaufbau (Atolle und gesunkene Schiffe). Könnte es demnach nicht möglich sein, dass das Artefakt neuzeitlichen Ursprungs (circa 17. Jahrhundert) ist und durch günstige geologische Begebenheiten von Kalkstein umschlossen wurde? Einige Forscher gehen davon aus, dass das lockere Gestein um den Hammer herum aufgrund schnell fortschreitender Sedimentierung im Boden durch lösliche Minerale gehärtet und der Hammerkopf so von Stein umschlossen wurde. Im Jahr 1985 stellte der Autor John R. Cole fest, dass das Objekt durchaus vergleichbaren Hämmern ähnelt, wie sie schon im 19. Jahrhundert von amerikanischen Bergleuten benutzt wurden. Ende der 90’er Jahre soll das Holz nochmal mit Hilfe einer C14-Methode (Radiokohlenstoffdatierung) untersucht worden sein, die ein Alter von ca. 300-700 Jahren ergab. Damit wäre zumindest ein Teil des Rätsels plausibel gelöst.

Foto: Hammer von Texas (© Tatjana Ingold)

Doch was ist mit der ungewöhnlichen und einzigartigen Zusammensetzung, aus der das Artefakt besteht? Es gibt selbst in der heutigen Zeit noch keine geeignete Methode, um einen Hammerkopf dieser Güte herzustellen. Hat sich das Metallurgische Institut Batelle Memorial Laboratory in Ohio geirrt oder war die gesamte Untersuchung gar verfälscht?

Foto: Hammer von Texas (© David Lines)

Laut dem US-amerikanischen Biologen Glen J. Kuban gab es 1989 überhaupt keine unabhängige Untersuchung durch das Institut. Die Analysen sind allesamt privat durchgeführt worden. Sollte dies stimmen, würde das die Schlagkraft der Ergebnisse entkräften. Es wäre eine unabhängige chemische, mineralogische Untersuchung und Datierung notwendig, um die damaligen Werte bestätigen oder widerlegen zu können. Per Elektrolyse wären Forscher dazu heute in der Lage. Ob jedoch solch eine Untersuchung jemals durchgeführt wird, ist fraglich. Würde es doch im schlimmsten Fall den Mythos und das Rätsel um den Hammer von Texas zerstören und somit viele Science-Fiction-Fans enttäuschen.

Advertisements