Die Bewohner der Grafschaft Devon in England schliefen tief und fest, als es passierte. Der Winter zeigte sich von seiner ungemütlichen Seite und tauchte die Ortschaften in eine weiße Hülle aus Schnee. Nichts Ungewöhnliches für diese Jahreszeit, doch als die Menschen am Morgen des 9. Februars 1855 aufwachten, machten sie eine unglaubliche Entdeckung: Die gesamte Grafschaft war mit Spuren übersät, die gespalteten Hufabdrücken ähnelten. Diese Schneeabdrücke waren zwischen vier bis sechs Zentimeter groß und erstreckten sich über eine Route von 160 Kilometern. Sie verliefen von Exmouth bis Topsham, über den Fluss Exe hinweg nach Dawlish bis Teignmouth. Abgesehen vom Richtungswechsel an verschiedenen Punkten, folgten sie einem schnurgeraden Kurs. In insgesamt 30 Ortschaften rätselten die Menschen über die ungewöhnlichen Abdrücke im Schnee. Doch welche Kreatur oder welches Wesen hatte diese Spuren hinterlassen? Handelte es sich nur um einen Streich oder war es ein Hirngespinst der abergläubischen Bürger des 19. Jahrhunderts?

Foto: Corbis

Fakt ist, dass hunderte Personen das Ereignis gesehen haben. Die besorgten Bewohner beschrieben ihre Eindrücke der Times of London und der Tageszeitung The Illustrated London News, die kurze Zeit später Artikel zu dem Phänomen veröffentlichten. Den Ausführungen der Bewohner zufolge, konnte es sich nicht um einen Streich handeln, da nur Hufabdrücke im Schnee erkennbar waren. Auch die Spur eines Pferdes wurde ausgeschlossen, weil die Abdrücke im Schnee eindeutig von einem „Zweibeiner“ stammen mussten. Doch auch die dritte Vermutung, dass sich jemand Hufe unter die Sohlen geklebt haben könnte, wurde durch folgende Entdeckung widerlegt: Die Hufspuren folgten nicht nur einem geraden Kurs, der durch die Gärten der Ortschaften verlief, sondern sogar über im Wege liegende Häuser, Mauern, einen Heuschober und andere Hindernisse hinweg. Auf schneebedeckten Dächern waren sie zu sehen. Auch durch ein kleines Abflussrohr von etwa zehn Zentimetern Durchmesser sollen Spuren geführt haben. Angesichts dieser unmöglichen Strecke, der Form der Abrücke, die von einer zweibeinigen Kreatur stammen mussten und des hohen Aberglaubens der Menschen im 19. Jahrhundert waren sich die Bürger schnell einig, dass die Spuren nur von einem Wesen stammen konnten: dem Teufel selbst.

Foto: Corbis

Seit dem Vorfall haben viele Personen versucht, das Phänomen rational zu erklären: Ein ortsansässiger Vikar (Statthalter der Kirche) war der festen Überzeugung, dass die Spuren von Kängurus stammen mussten, die aus einem lokalen Zirkus ausgebrochen sind. Doch es gab keine derartige Verlustmeldung und das dem Tier unmögliche Überqueren des breiten Flusses Exe spricht ebenfalls gegen diese Erklärung. Sir Richard Owen, ein zur damaligen Zeit bekannter Naturforscher, stellte die Theorie auf,  dass die Abdrücke von einer besonderen Dachsart stammen könnten. Ein weiterer Forscher spekulierte, ein Wetterballon habe sich losgerissen, sei vom Schneesturm über das Gebiet geweht worden und habe die Spuren hinterlassen. Wahrscheinlicher scheint demgegenüber, dass Springmäuse oder andere Nagetiere die Spuren verursacht haben. Diese Vermutung wurde ebenfalls schon wenige Tage nach dem Ereignis geäußert. Keine Tierart hätte jedoch eine Strecke von über 160 Kilometern in einer Nacht zurücklegen können, deswegen bleibt selbst die wahrscheinlichste Theorie äußerst fraglich.

Fotos: Originalfotos von Augenzeugen

Über das geheimnisvolle Ereignis sammelte der britische Autor Mike Dash, langjähriger Herausgeber der Zeitschrift Fortean Times, über einen längeren Zeitraum Informationen und ging verschiedenen Quellen nach. Dash war der Überzeugung, dass keine übernatürliche Macht für die Spuren verantwortlich war. Ein aus einer Menagerie entkommener Affe könne eventuell für die Spuren ursächlich sein. Nach und nach gerieten auch Großtrappe, Reiher, Maus, Ratte, Otter, Schwan, Esel, Katze, Wolf, Hase , Herden und Vögel in Verdacht. Innerhalb weniger Stunden nach dem Auffinden gab es unzählige Versuche von Menschengruppen, die herausfinden wollten, was los gewesen war. Vom Ort Dawlish aus folgte eine bewaffnete Truppe den Spuren über eine Distanz von acht Kilometern, ohne etwas Brauchbares zu entdecken. Andere fanden heraus, dass Spuren mitten in Feldern aufhörten, so als ob irgendwas fortgeflogen wäre. Mike Dash stellt in einer Tabelle dar, dass es in den Quellen zu Größe und Schrittlänge der Spur abweichende Aussagen aus den Orten gab. Es müssen verschiedene Spuren gewesen sein und nicht eine einzige, die sich über das Land zog. Doch selbst die Einschätzung Dashs im Jahr 1994 konnte bis heute zu keiner eindeutigen Klärung des Ereignisses führen. Ob das Rätsel über die Spuren von Devon jemals geklärt wird, ist daher fraglich.

Ähnliche Ereignisse:

  • Der englische Seefahrer und Entdecker Sir James Clark Ross berichtete anlässlich seiner Antarktisexpedition 1839-1843, dass im Mai 1840 auf der Kerguelen-Insel hufeisenförmige Abdrücke im Schnee aufgefallen seien, die sich dann auf einer Felsplatte ohne Schnee verloren. Sie seien jenen eines Ponys oder Esels vergleichbar gewesen. Landtiere bekam die Expedition nicht zu Gesicht.
  • Die Londoner Tageszeitung The Times berichtete am 14. März 1840, dass im schottischen Bezirk um Glenorchy, Glenlyon und Glenochay mehrmals nach Schneefällen Spuren eines unbekannten Tieres bemerkt worden sind. Sie ähnelten jenen eines Fohlens beträchtlicher Größe und waren tief im Schnee eingesunken.
  • Am 17. März 1855 druckten The Illustrated London News einen Leserbrief aus Heidelberg über angeblich vergleichbare, jährlich wiederkehrende Spuren an einem Ort in Galizien ab.
  • Rund 150 Jahre nach den Ereignissen von Devon scheint es, als wäre das Wesen wieder zurückgekehrt. In der Nacht vom 5. März 2009 meldete eine Frau aus der Grafschaft, dass sie in ihrem Garten ungewöhnliche Spuren entdeckt habe. Die Abdrücke im Schnee waren 13 Zentimeter lang und entsprachen einer Schrittlänge von durchschnittlich 35 Zentimetern. Auch in diesem Fall konnten die Abdrücke keinem Tier eindeutig zugeordnet werden und bleiben bis heute ein Rätsel.
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